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Alamode Film

Über den Film


Eigentlich wollte der pensionierte Witwer Hubert Jacquin (André Dussollier) nur eine Putzfrau einstellen, doch durch ein Missverständnis nistet sich in seiner großen Pariser Altbauwohnung eine junge Mitbewohnerin ein. Die quirlige Studentin Manuela versteht zwar nichts davon, wie man einen Haushalt führt, aber davon, wie man den Alltag eines Rentners gehörig auf den Kopf stellt, umso mehr. Am Ende eines rauschenden Abends lässt sich Hubert sogar überreden, die Wohngemeinschaft zu erweitern. Schon kurz darauf ziehen die etwas verspannte Krankenschwester Marion und der in Scheidung lebende, neurotische Anwalt Paul-Gérard ein. Trotz aller Unterschiede wächst die ungewöhnliche Wohngemeinschaft schon bald zusammen. Und auch Hubert erkennt allmählich, dass man für eine Wohngemeinschaft nie zu alt ist.

GEMEINSAM WOHNT MAN BESSER ist eine temporeiche WG-Komödie aus Frankreich, die Generationen nicht nur auf der Leinwand vereint: Schauspielstar André Dussollier (DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE) gibt den zunächst mürrischen Arzt im Ruhestand, der sich allmählich wieder dem Leben zuwendet. Perfekt ergänzt wird er dabei von dem herrlich schrägen und spritzigen Schauspiel-Ensemble um die Komikerin Bérengère Krief, Arnaud Ducret (LOVE IS IN THE AIR) und Julia Piaton (MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER).

Interviews


François Desagnat

Wie ist das Projekt entstanden?
Zunächst waren wir für ein anderes Projekt angefragt, doch dann schlug mir der Produzent Richard Pezet, der mich schon als junger Regisseur bei meinem Erstling begleitet hatte, ein zweites Projekt vor, entstanden nach einer Originalidee von Jérôme Corcos. Und brachte gleich die Namen von André Dussollier und Bérengère Krief als Hauptdarsteller ins Spiel. Den Cast und die Filmidee fand ich ungeheuer aufregend. Also stimmte ich zu, und die Arbeit am Drehbuch begann.

Was hat Sie an dem Stoff gereizt?
Mir gefiel die Möglichkeit, eine Geschichte in der Geschichte zu erzählen. Anfangs präsentierte man mir einen Film über eine unwahrscheinliche Wohngemeinschaft zwischen einem unglücklichen Witwer und einer jungen Studentin. Das ist die offizielle Version. Ich dagegen sah darin die Geschichte eines Mannes, der nie ein Kind gehabt hat und der plötzlich Vater wird. Es hat mir gefallen, ein Familienleben für ein Jahr zu konstruieren. Diesen roten Faden habe ich im Kopf behalten. Familienbeziehungen finde ich faszinierend. Das hatte ich im Kopf bei der Regie. Ich habe die Schauspieler geführt als seien sie Vater, Tochter, Bruder und Schwester.

Haben Sie Änderungen am Skript vorgenommen?
Ich habe seit der Lektüre des Treatments meine Ideen und Anmerkungen eingebracht und dabei eng mit der Drehbuchautorin Catherine Diament zusammengearbeitet. Daneben war Jérôme Corcos aktiv an dem Prozess beteiligt. Auch Romain Protat hat seinen Teil dazu beigetragen, viel Frische und Humor in die Figuren einzubringen. Es war eine Kollektivarbeit: Catherine und Jérôme sind die Garanten der Originalidee, während Romain und ich unsere eigenen Ideen eingebracht haben.

Obwohl der Film eine Komödie ist, werden ernste Themen angesprochen, wie Wohnungsnot und die Ohnmacht angesichts von Krankheit und Tod.
Gerade das gefällt mir: Dass ich solche Themen durch das Mittel der Komödie erzählen kann. Es ist vielleicht nicht der beste Vergleich, aber gerade da liegen meines Erachtens die Stärken britischer Komödien wie GANZ ODER GAR NICHT (Full Monty). Ein Referenzfilm war für mich auch ALLES EINE FRAGE DER ZEIT von Richard Curtis, der ebenfalls ernste Themen in Form einer fantastischen Komödie behandelt. Ich mag keine „Grundsatz“-Filme, die unbedingt eine sozial relevante Geschichte oder eine Ungerechtigkeit erzählen wollen. Ich finde es besser, große Themen anhand der Figuren oder eines narrativen Tricks anzugehen. Die Message darf den Film nicht vereinnahmen, sondern sollte ihm im Gegenteil einen realistischen Anstrich verleihen.

Wie ging das Casting vonstatten?
Bérengère war in einem sehr frühen Stadium gesetzt und hat die verschiedenen Drehbuchentwürfe interessiert mitverfolgt. André haben wir das Buch erst in einem fortgeschrittenen Stadium gezeigt. Was er sah, hat ihm gefallen, und er hat zugesagt. Schnell standen drei wichtige Nebenrollen fest: Marion, PG und Samuel, Huberts Freund.
Der Film ist ein Zusammentreffen der Generationen – drei jungen Schauspielern steht eine Garde großer Akteure gegenüber, die ihre Arbeit untereinander sehr schätzen. Die interessante Schauspieler-Kombination förderte einen besonderen Wetteifer zutage, ich hoffe, das spürt man auf der Leinwand. André spürte eine solche Energie von Seiten der Jungen, die ihn puschte, er wollte nie Pause machen!

Wie kamen Sie auf die Idee, Arnaud Ducret gegen sein Image zu besetzen?
Wir kannten uns, ich hatte schon mit ihm gearbeitet und wusste, dass er sehr gerne einmal mit André Dussollier drehen würde. Ich sah ihn allerdings zunächst nicht in der Rolle des PG, weil dessen Charakter eigentlich schüchtern und reserviert ist. Er hat mich überredet, Probeaufnahmen mit ihm zu machen, und er war großartig!

Hubert ist ein eher trockener Typ, der aber mit der Zeit auftaut.
Vor dem Tod seiner Frau ist er oft ausgegangen, in Ausstellungen und Konzerte. Er hatte ein ausgefülltes soziales Leben, hat das gelbe Jackett in seinem Kleiderschrank aufgehoben. Ich sah ihn wie Toni Servillo in Paolo Sorrentinos LA GRANDE BELLEZZA, nur dass dieses Leuchten seit dem Tod seiner Frau erloschen war.

Manuela ist eine ungestüme, waghalsige junge Frau...
Ein junges Mädchen, das sich sucht: Es gelingt ihr nicht, sich niederzulassen, sie wechselt jedes Jahr die Stadt, je nachdem, wen sie gerade kennengelernt hat. Ihr Studium ist nur ein Vorwand und sie hat keinen familiären Rückhalt. Ihren Vater hat sie nie gekannt, ihre Mutter hat sie mitgeschleppt auf ihren Reisen durch die Welt ... Im Gegensatz zu Hubert müsste sie sich Zeit nehmen, um ihr Gegengewicht zu finden. Ihre Begegnung mit dem älteren Mann hilft ihr, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ihr wird klar, dass sie ihre ungewöhnliche Persönlichkeit nicht ändern muss, sie muss nur mit sich selbst ins Reine kommen.

Die beiden Mitbewohner sind eher reserviert, aber sehr großzügig.
Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Hubert und Manuela. Die Nebenfiguren verleihen der Geschichte Würze, verleihen ihr eine zusätzliche Dimension, und sie machen viel Spaß! Eine der Schwierigkeiten des Drehbuchs war, diese beiden Nebenfiguren zusammenzubringen. Ich wollte eine Liebesgeschichte zwischen ihnen entstehen lassen, sie mussten sich gleichzeitig ähnlich und verschieden sein. Hubert sieht die Menschen in einem sehr klaren Licht. Manuela rührt ihn. Diesen beiden Figuren kann man trauen, fühlt man sich verbunden.

Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Wohnung ausgesucht?
Der Ort spielt eine entscheidende Rolle. Man hat das Gefühl, in einem der großen Gebäude am Boulevard Haussmann zu sein. Die Einrichtung musste ebenso eine eigenständige „Figur“ sein wie das Phantom von Huberts Frau. Die Einrichtungsgegenstände sind die eines Paares ohne Kind. Das Atelier von Huberts Frau wird Marions Zimmer, in Huberts Büro zieht PG ein. Wie die Figuren auch wandelt sich das Dekor im Laufe des Films, kommt aus dem Schatten ins Licht im Zuge der Veränderungen, die für die Ankunft der neuen Mitbewohner vorgenommen werden.

Welche Musik haben Sie sich für den Film gewünscht?
Es ist meine erste Zusammenarbeit mit Fabien Cahen. Ich hatte eine konkrete Vorstellung, was ich wollte: die Originalfilmmusik von Rob Simonsen, der junge amerikanische Komponist von THE SPECTACULAR NOW: PERFEKT IST JETZT (The spectacular now) und GANZ WEIT HINTEN (The Way Way back). Sehr minimalistisch, ein bisschen Folk, eine Mischung aus Gitarre und Klavier. Fabien hatte zwei Kompositionen, die genau in die Richtung gehen, die mir vorschwebte. Wir haben uns getroffen und festgestellt, dass wir im gleichen Alter sind und auch sonst einiges gemeinsam haben. Das Abenteuer konnte losgehen...

Wie haben Sie konkret zusammengearbeitet?
Ich habe ihm von meinen musikalischen Vorstellungen erzählt, von Simonsen und Künstlern wie Bon Iver und der deutschen Gruppe Get Well Soon, die die Musik für die Serie „Xanadu“ auf Arte geschrieben haben. Er hat vor dem Dreh mit der Arbeit begonnen. Ich habe ihn gebeten, zu warten, bis er fertiges Material sehen und sich an den Bildern orientieren kann. Zusammen haben wir existierende Musiken ausgesucht wie Gush oder Donnie Trumpet als Abspann-Song, das ist gleichzeitig modern und korrespondiert perfekt mit der Stimmung am Ende des Films.



André Dussollier

Wie sind Sie zu der Rolle gekommen?
Das Projekt wurde mir zuallererst vom Produzenten Richard Pezet angeboten, sehr früh, das Drehbuch war noch gar nicht geschrieben. Es lag ihm sehr am Herzen. Danach haben sich sein Sohn Antoine Pezet und Jérôme Corcos weiter darum gekümmert. Ich muss sagen, ich war froh, als es konkret wurde.

Was hat Sie an dem Drehbuch überzeugt?
Es war seit langer Zeit die erste Gelegenheit, wieder in dem Genre zu arbeiten, das mich von Anfang an begeistert hat: die Komödie. Ich liebe die großen Abweichungen und war empfänglich für dieses Teleskop der Generationen. Es ist immer schmeichelhaft, von jungen Regisseuren gefragt zu sein, die ganz im hier und jetzt stehen. Umso mehr, als es um ein Thema geht, das die Menschen bewegt: das Leben in der Wohngemeinschaft. Außerdem hatte ich große Lust, mit Bérengère Krief und Arnaud Ducret und Julia Piaton zu arbeiten. Sie haben sich als großartige Kollegen entpuppt. Durch alle Generationen hinweg hat uns die Freude am Spiel und an der Komödie verbunden. Aus diesem gegenseitigen Verständnis hat sich vieles entwickelt.

Wie würden Sie Ihren Hubert beschreiben? Als alten Griesgram, der seine Gefühle in den Ruhestand geschickt hat?
Ich sehe einen untröstlichen Witwer, der von der ersten Szene an mit einer Welt konfrontiert wird, die er nicht kennt und sich nicht vorstellen kann, die ihm aber erlaubt, seine Lebensfreude wiederzufinden. Die eskalierenden Situationen, die den Witwer zunächst überfordern, werden ihn wieder aufleben lassen!

Wodurch ändert er sich?
Mir scheint, je überraschender die Ereignisse sind, desto mehr können sie einen aufrütteln. Man hat den Eindruck, dass Hubert aufgehört hat zu leben. Keiner kann ihn so gut wachrütteln wie Manuela, die das krasse Gegenteil von ihm ist. Je mehr sie mit diesem Anderssein konfrontiert werden, desto mehr öffnen sich beide für neue, aufregende Erfahrungen. Und mit jeder Erfahrung wächst ihre Verbundenheit. Unerwartete Ereignisse, eigene Unsicherheit und die Tatsache, dass er sich den anderen und der Welt öffnet, ermöglichen Hubert, aus seinen Gewohnheiten auszubrechen.

Hubert entdeckt schließlich die Vorzüge der Wohngemeinschaft und erfährt von der Wohnungsnot in Paris...
Das ist ein Problem, das ihm bisher überhaupt nicht bewusst war. Die Menschen, denen er jetzt begegnet, reißen ihn aus seinem Schlummer. Es hat mir gefallen, die depressiven und schweigsamen Seiten der Figur zu spielen, wissend, dass ich zehn Minuten später im Film tanzen und herumwirbeln werde – als ein und dieselbe Person!

Ist Manuela in gewisser Weise die Tochter, die er nie hatte?
In gewisser Hinsicht. Zum Glück lassen Menschen zu, dass Gefühle, die ihnen gut tun, die Oberhand gewinnen. Manuela und Hubert lassen zu, dass sie sich berühren. Diesen Mann berührt, dass dieses Mädchen, das einzieht, seine Tochter sein könnte. So entdeckt Hubert mit kindlichem Enthusiasmus die Freuden der Vaterschaft.

Warum wählt er Marion und PG unter allen Kandidaten als Mitbewohner aus?
PG gibt ihm ein Gefühl von Sicherheit, weil er offenbar weniger exzentrisch ist als die anderen. Aber sein steter Charakter wird noch einige Überraschungen bereithalten. Und bei Marion beruhigt ihn, dass sie aus der Provinz nach Paris kommt. Aber auch sie hat Überraschungen im Gepäck...

Erzählen Sie von Ihren jungen Kollegen...
Es war wirklich ein Vergnügen, sie kennenzulernen. Ich habe Bérengère bei Auftritten im Varieté gesehen und ihre Spontaneität und ihren Humor bewundert. Die Chemie stimmte sofort, als sie zum ersten Mal die Wohnung betrat. Ich fand sie zugänglich, positiv, lächelnd, einfallsreich, spontan – kurz: sehr begabt.
Arnaud verfügt über eine überbordende Fantasie, ein außergewöhnliches Talent zur Improvisation. Er hört nie auf: Er spielt eine Szene weiter, auch wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Er hat das große Talent, etwas zu Situationen beizutragen. Auch Julia ist sehr angemessen, sensibel, fähig, mit großer Leichtigkeit vom Lachen zu Tränen zu wechseln.

Der Film spielt hauptsächlich in Huberts Wohnung.
Das hat mich an die Wohnung aus TANGUY – DER NESTHOCKER (Tanguy) erinnert. Das Set war in einem Bürohaus aufgebaut. Es wäre quasi unmöglich gewesen, eine solche Wohnung mit ihren ineinander übergehenden Zimmern zu finden. Die Wohnung strömte für mich Lebendigkeit und Wärme aus, auch wenn sie hinter verschlossenen Gardinen versteckt ist.

Wie fanden Sie die Arbeit mit François Desagnat?
Er ist ein aufmerksamer Regisseur, offen für das, was man ihm anbietet, gleichzeitig sehr präzise in seiner Vorgehensweise und seinen Entscheidungen. Er hatte die Klugheit, die Szenen entstehen zu lassen, wie wir sie sahen. Wir vertrauten uns gegenseitig, ein Vertrauen, das nie enttäuscht wurde. Man spürte, dass seine Konzentration nie nachließ. Ich bewundere seine Klarheit und seinen wachen Blick. Für ihn steht die Qualität der Arbeit an erster Stelle. Er hat mich bei der Szene im Gefängnis überrascht: Jeder in einer kleinen Zelle, wir unterhalten uns von Zelle zu Zelle, was die Allegorie noch deutlicher macht. Durch ihn haben wir alle während der Dreharbeiten wunderbare WG-Momente erlebt!



Bérengère Krief

Manuela ist ein Sonnenschein: sprudelnd, lebendig, direkt.
Sie macht keine Umwege. Ich mag solche freien, vollständigen Charaktere. Wenn sie bei Hubert einzieht, passt sie sich in keiner Weise ihrer Umgebung an. Im Gegensatz zu mir. Mir gefällt, dass sie dort mit all ihrer Energie einfällt, und das auf alle überträgt. Sie ist wirklich frei und sagt, was sie denkt. Ich bewundere ihre Sonnenseite.

Sie ist auch gutgläubig und naiv...
Ihre Beziehung zu Hubert ist wie eine Vater-Tochter-Verbindung. Sie ist längst nicht so reif, wie sie glaubt. Durch Hubert lernt sie, Verantwortung zu übernehmen. Sie glaubt, sie könne mit ihren kindlichen Methoden die Welt ändern...

Glaubt sie wirklich an eine Zukunft mit ihrem Liebhaber in Bali?
Wenn man solche Beziehungen eingeht, weiß man im Grunde seines Herzens, wie sie laufen. Aber sie macht sich lieber etwas vor! Ihre Mutter arbeitet bei ‚Lonely Planet’, also ist sie mit dem Reisen aufgewachsen. Auch wenn alle in ihrer Umgebung ihre Zweifel haben, hält sie weiter an der Liebesgeschichte fest – auch aus einer gewissen Opposition heraus, die ihr Energie verleiht.

Glauben Sie, dass sie bei Hubert echte Großzügigkeit erfährt?
Ja, und sie zahlt es zurück, indem sie sein Leben auf den Kopf stellt, in seinem eigenen Interesse. Er spricht nie über den Tod seiner Frau. Ein Feingefühl, das mir sehr gefällt. Manuela ist davon angetrieben, anderen zu helfen. Sie spürt, dass Hubert verletzlich ist und bereit, unbekannte Menschen bei sich aufzunehmen. Und sofort macht sie das fix.

Wie haben Sie sich der Figur angenähert?
Ich habe einen Teil von mir selbst mobilisiert – der Charakter setzt sich aus mehreren Facetten zusammen. Ich kann auch frei und strahlend sein, aber nur bei Menschen, die ich kenne. Ich beobachte zunächst. Die Person im Film bin ich, wenn ich die erste Phase überspringe. Ich liebe diese Bulldozer-Seite der Figur, die sich nicht um Regeln schert und keine Fragen stellt. Eine Art von großzügigem Egoismus. Ich habe die Rolle mit Instinkt und Spontaneität angepackt, ohne viel Psychologie.



Arnaud Ducret

Was hat Sie am Drehbuch überzeugt?
Alle Figuren sind gut gezeichnet, man konnte sie schon beim Lesen klar vor sich sehen. Ich liebe Bérengères Rolle, die diesen Witwer wachrüttelt, und mir gefällt die Vorstellung der WG: Der leere Topf im Kühlschrank hat mich an meine Anfänge als Schauspieler erinnert! Ich finde die Idee witzig und modern. Ich komme vom Land, bin in einem großen Haus aufgewachsen, wo es leicht war, sich aus dem Weg zu gehen. In einer Wohngemeinschaft ist das ganz anders. Ständig ist man auf Tuchfühlung, immer hört man eine Tür schlagen, Mitbewohner, die spät nachts nach Hause kommen und reden – kurz, man fühlt sich nie allein!

Paul-Gérard scheint ein sehr geradliniger, etwas verklemmter Mensch zu sein...
Ich habe mit einem Coach gearbeitet, um diese gehemmte Seite mehr herauszuarbeiten – ich selbst bin nämlich ein äußerst extrovertierter Mensch. Am Anfang ist er depressiv, wiederholt immerzu seinen Monolog über sein zerbrochenes Leben und die Frau, die ihn verlassen hat. Ich habe mich gefragt, ob er wohl gut in seinem Job als Anwalt ist und mir vorgestellt, wie er Scheidungen durchzieht! Aber im Kontakt mit Manuela und Marion wird er immer lockerer.

Warum, glauben Sie, hat Hubert ihn als Mitbewohner unter den anderen Kandidaten ausgewählt?
Hubert spürt, dass er eine harte Zeit hat und vielleicht sein Kind verliert und hat Mitleid mit ihm. Die Situation erklärt sich durch den exorbitanten Anstieg der Mieten auf dem Pariser Wohnungsmarkt: Plötzlich landet man mit 37 in einer Wohngemeinschaft, auch wenn man arbeitet und einem seriösen Beruf nachgeht. Oder man findet sich in einem ehemaligen Dienstbotenzimmer wieder…

PG klammert sich an seine Ex-Frau wie an einen Rettungsanker...
Man ist manchmal wehmütig, wenn man sich von jemandem trennt, mit dem einen schöne Erinnerungen verbinden. Aber er leidet auch unter der Trennung von seinem Sohn und läuft Gefahr, ihn zu verlieren, weil er keinen Platz für ihn hat. Eine sehr schmerzhafte Situation. Anfangs hat er so gut wie keine Freunde, denen er sich mitteilen kann. Aber im Laufe der Zeit knüpft er freundschaftliche Bande.

In welche Richtung wollten Sie ihn führen?
Ich habe an meiner Körperhaltung gearbeitet und versucht, mich ein bisschen nach vorne zu beugen. Meine Figur sollte auch etwas linkisch in ihren Bewegungen sein, denn er ist nicht sehr entspannt. Ich wollte, dass man in seinem Blick etwas Kindliches und Berührendes sieht. Und dann hat er ein paar Eigenheiten, Ticks, zum Bespiel schiebt er die Brille auf der Nase zurück, wenn er sich geniert. Als ich den Text lernte, sagte etwas in mir, was komisch und was weniger komisch war. Für mich sind Physis und Gestik entscheidend für eine Rolle. Deshalb habe ich mit dem Coach von José Garcia gearbeitet, und das hat mir sehr geholfen.



Julia Piaton

Wie sind Sie zum Team gestoßen?
Ich hatte das Drehbuch nicht gelesen, als ich zum Vorsprechen kam. Beim Casting war dann Arnaud Ducret mein Gegenüber, und sein Lachen hat mich sofort angesteckt ... Er ist ein sehr guter Kollege, und wir haben einiges zusammen ausprobiert. Ich bin aus den Proben total glücklich herausgekommen. Später habe ich das Drehbuch gelesen und weitere Proben absolviert. François Desagnat hat mir die Rolle erklärt und wir haben besprochen, wie wir zusammen vorgehen wollen.

Was hat Ihnen am Drehbuch gefallen?
Ich fand es sehr bewegend. Ich war gerührt von diesem alten Herrn, der ganz allein lebt und sich von diesem jungen, ausgeflippten Mädchen mitreißen lässt. In Wahrheit finden da drei angeschlagene Menschen zusammen, die einander gut tun, trotz allen Krachs, den sie miteinander haben. Der Film erzählt auch vom Zusammenleben und dem Versuch der Koexistenz der Generationen. Das ist ein interessantes Thema mit einer aktuellen Problematik. Man muss lernen, einen Schritt aufeinander zu zu machen. Hubert fehlt die Fantasie und Lebensfreude, er hätte nie einen Schritt in Richtung Jungsein gemacht, wenn seine Mieterin ihn nicht geschubst hätte. Beide finden ihr Gleichgewicht, indem sie sich in der Mitte treffen.

Marion ist eine junge Frau voller Prinzipien...
Es ist eine Freude, eine Figur wie sie zu spielen! Für einen Schauspieler sind sehr unterschiedliche Rollen großartig. Marion ist noch nicht sehr weit, ziemlich naiv, sehr aufrichtig, und sie wohnt allein mit ihrer Mutter. Sie ist nicht sehr lustig und fürchtet sich vor allem: Jungen, Alkohol, Rauchen. Sie geht ihren geradlinigen Weg, aber man möchte ihr sagen: Pass auf, dass du nicht neben deinem Leben herläufst! Wir haben ihr einen kleinen Tick verpasst, eine Leidenschaft für Bettzeug, die ihre Pingeligkeit auf die Spitze treibt. Denn wenn sie sich für etwas erwärmt, dann voll und ganz.

Sie ist zunächst sehr reserviert, öffnet sich aber immer mehr den anderen.
Man sieht, wie sie immer mehr aufblüht. Auch in ihrer Arbeit: Wenn sie im Krankenhaus ist, fühlt sie sich ganz in ihrem Element. In der Beziehung zu dem jungen Patienten ist sie wirklich Frau, keine Kind-Frau. Aber sobald sie das Krankenhaus verlässt, ist sie verunsichert. Das hat seinen Grund darin, dass sie erst nach ihrer Ausbildung nach Paris kam und ihr die Leichtigkeit fehlt.

Wie haben Sie sich Ihrer Figur angenähert?
Marion ist nicht sehr feminin und kleidet sich eher schlicht. Das Kostüm hat mir anfangs sehr geholfen. Man bewegt sich anders in einem Rock oder einer engen Jeans. All die weiblichen Codes wie Make-up, Nagellack, Frisur sind wichtige Unterscheidungskriterien, und sie standen mir für diese Figur nicht zur Verfügung. Marions Äußeres anzunehmen, hat mir in die Rolle hineingeholfen: Ich schlüpfte in den Körper dieser Persönlichkeit. Ich für meinen Teil stelle mir gern die Geschichte der Figuren vor, die ich verkörpere, gebe ihnen ein Vorleben und eine Verankerung.

Cast und Crew


Besetzung
Hubert Jacquin ANDRÉ DUSSOLLIER
Manuela Baudry BÉRENGÈRE KRIEF
Paul-Gérard Langlois ARNAUD DUCRET
Marion Legloux JULIA PIATON
Samuel Edlemann NICOLAS MARIE
Roméro VINCENT DESAGNAT
Rose BLANCHE GARDIN
Arnaud MATHIEU MADENIAN
   
Stab
Regie FRANÇOIS DESAGNAT
Drehbuch JÉRÔME CORCOS
CATHERINE DIAMENT
nach einem Treatment von JÉRÔME CORCOS
STÉPHANE KELLER
Adaptation FRANÇOIS DESAGNAT
ROMAIN PROTAT
Produktion JÉRÔME CORCOS
ANTOINE PEZET
Kamera VINCENT GALLOT
Schnitt BÉATRICE HÉRMINIE
Musik FABIEN CAHEN
Ausstattung SAMANTHA GORDOWSKI
Casting JULIE NAVARRO